TANZTHERAPIE

Ein Erfahrungsbericht

Ich kam 2016 das erste mal im Zuge einer gruppendynamischen Selbsterfahrung mit Tanztherapie in Berührung und bin seither ein großer Fan.

Es gibt verschiedene Umsetzungen und ich bin keine Therapeutin aber ich möchte euch gerne aus meiner Sicht beschreiben, was ich bei der Tanztherapie erfahren habe.

Der Ablauf

Die Teilnehmenden setzen sich zu Beginn einer jeden Stunde in einen Kreis, es folgt eine kurze, gemeinsame Meditation und im Anschluss begibt sich der/die Tänzer*in in die Mitte und tanzt zu selbstgewählter Musik. Wer wann und wie oft tanzt ist jedem/r freigestellt.

Im Anschluss dürfen alle anderen Teilnehmenden positives Feedback geben. Hierbei geht es nicht um Leistung oder Schönheit sondern um den körperlichen Ausdruck von Emotionen. Vielleicht zeigt sich ein eher schüchterner Mensch beim Tanz auf einmal sehr mutig und stark, vielleicht siehst du etwas in der Tänzerin, dass du noch gar nicht von ihr kanntest.

Die Erfahrung

Klingt total skurril, oder? Bei meiner ersten Tanztherapiestunde dachte ich:

“Wo bin ich denn hier gelandet?“. Ich habe den Sinn dahinter überhaupt nicht verstanden und eine starke Überwindung dabei gespürt, mich in die Mitte zu stellen.

Und damit sind wir schon „mittendrin“. Sich den Mut und den Raum zu nehmen, sich in den Mittelpunkt einer Gruppe zu stellen, es auszuhalten und quasi einzufordern, die nächsten dreieinhalb Minuten angeschaut zu werden, das macht etwas mit dir!

Mich persönlich hat es enorm viel Überwindung gekostet und ich hatte auch immer wieder die folgenden Fragen im Kopf: „Darf ich das? Was sollen die bloß von mir denken? Wer bin ich, um mir so viel Raum zu nehmen?“

Als ich diesen Punkt allerdings überwunden habe, spürte ich wie viel selbstbewusster ich mich nach und nach fühlte. Gerade für Menschen, denen es schwer fällt, sich Raum zu nehmen ohne dabei leistungsorientiert vorzugehen, ist das Tanzen in einer Gruppe eine großartige Erfahrung.

Die Spiegelung, also das Wahrnehmen der anderen Teilnehmenden spielt dabei eine sehr große Rolle. Wichtig ist, dass das Feedback durchgängig wohlwollend formuliert wird. Kommentare über die „Performance“ oder die „Figur“ haben hier keinen Platz. Verletzungen auf der körperlichen Ebene, die viele Menschen in der frühen Kindheit oder Jugend durch Ablehnung, Liebesentzug oder Ähnliches erfahren haben, können hier heilen, wenn man sich in gute Hände begibt.

Deshalb solltet ihr euch die Anbieter*innen sehr gut aussuchen. Sie brauchen starke Leiter*innen und der „Raum“ muss von Profis „gehalten“ werden, die notfalls auch eingreifen können.

Die Erfolge

Nach ein paar Tagen – die Selbsterfahrung bei meinem Anbieter geht immer über 10 Tage – habe ich immer mehr begriffen, wie positiv sich diese künstlerische Form der Therapie auf mich auswirkt. Ich habe bei mir sowie bei Anderen beobachten können, wie sich Menschen in kürzester Zeit entwickeln., wie sie ihre momentane Gefühlswelt über den Körper zum Ausdruck bringen und sich mehr und mehr öffnen. Bei mir kann ich über den Zeitraum dieser Tagung immer wieder feststellen, wie sich meine Bewegungen verändern, Unbewusstes zum Vorschein kommt und ich mehr und mehr meinen Körper positiv wahrnehme und lieben lerne. Gerade der Unterschied vom ersten zum letzten Tanz ist gigantisch. Sowohl von Innen als auch von Aussen betrachtet.

Der Solo-Tanz

Die positiven Effekte des Tanzes kannst du nicht nur in einer geführten Tanztherapie erfahren, sondern auch selbst in deinen eigenen vier Wänden. Sicherlich sind die Veränderungen und Prozesse nicht so gravierend wie in der Therapie aber du wirst auch hier davon profitieren. Ich tanze aktuell auch gerne morgens als Ausgleich zu meinem Lauftraining. Probiere es einfach aus, denke nicht über deine Bewegungen nach sondern lass es einfach fließen.

Bist du dabei?